27.02.04

Conrad schreibt zum Thema Touri-Stories:

Alcatraz

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Ah, Alcatraz. The Rock. J. Edgar Hoovers eigenes Gefängnis. (Mitte)

Nach Angaben eines Typen, der da was über Ausbrecher erzählt hat, in den 20ern nötig geworden, weil es im Volk einen Aufschrei gegeben habe wegen dem ganzen Verbrechen, das plötzlich überall geherrscht hat. Unsere Version: nachdem sie mit der Prohibition die Mafia stark gemacht hatten ;)

Alcatraz hat zwei interessante Abschnitte in seiner Geschichte: die Zeit als Hochsicherheitsgefängnis und die Zeit der Besetzung durch Indianer. Ignorieren wollen wir hier die Zeit als Militärgefängnis und Touri-Fließband ;)

Widmen wir uns zunächst der Hochsicherheitsgefängniszeit (welch schöne Worte uns das Deutsche an die Hand gibt, ist mir immer wieder ein Genuss). Was einem sofort auffällt: der eigentliche Zellenkomplex ist klein. Ungefähr 300 Zellen, glaub ich. Auf sehr kleinem Raum.

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Eigentlich sind es nur ca. 3,5 dieser Gänge hier. Dieser hier heisst "Broadway", und die Stelle unter der Uhr "Times Square"
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Naja, die einzelne Zelle braucht halt auch nicht viel Platz.

Das bringt mich zu der zweiten Auffallenden Beobachtung: das ist wirklich
kein schöner Ort gewesen. Okay, ich nehme an, dass er das auch nicht sein sollte, aber trotzdem... Gar kein schöner Ort. Konstruiert in einer Zeit, wo ein Gefängnis zum Wegschliessen war - mit Wiedereingliedern in die Gesellschaft hatte das halt nichts zu tun. Mir unbegreiflich, mit was die Insassen ihre Zeit verbracht haben, wenn nicht mit dem Schmieden von Ausbruchsplänen. Oder, wie Wolfgang gesagt hat, verwunderlich, dass die da drin nicht mehr Gewalt und tote Wächter hatten über die Jahre.

Die Härte natürlich: was man so als "das Loch" kennt, also die Einzelzellen mit Lichtentzug. Man stellt sich das so als ein feuchtes... dunkles... Loch halt vor. Aber nein, das sind halt einfach Zellen, mit ebenso glatten Wänden wie der Rest der Zellen, in den gleichen Farben gestrichen - nur eben mit ner Tür, die kein Licht durchlässt. Das hat das Ganze für mich irgendwie noch erschreckender gemacht: es ist nicht so, als ob die da praktischerweise eine Höhle gefunden hätten, wo dann ein Sadistischer Aufseher die Leute reinschmeissen konnte - nein, die haben die mit voller Absicht so gebaut.

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Hier steht Markus in einer dieser Zellen.

Merkwürdig übrigens, dass man dort dann erzählt bekommt, dass sie Leute manchmal für ein paar Tage da reingeworfen haben; das alles ist aber völlig unreflektiert und hat irgendwie immer einen bewundernden Unterton (kam mir jedenfalls so vor). Bin ich jetzt der Einzige, für den das irgendwie nicht akzeptabel, sondern Folter ist?

Die Kopfhörer, die man auf den beiden Fotos da oben sehen kann, sind übrigens die automatisierte Tour, die man dort mitmacht: da hört man dann Zeitzeugen berichten und so.

Etwas, was ich noch merkwürdig fand: kennt Ihr den Spitznamen von Al Capone? Ich meine, für mich war der immer nur Al Capone. Al Capone ist irgendwie ein ausreichend furchteinflößender Name für mich. Aber nein, in Alcatraz konnte man die (vermutete) Zelle von Albert "Scarface" Capone sehen. Hui.

Thema Ausbruch übrigens: von Alcatraz ist ja nie jemand ausgebrochen. Aha, soso. Naja, die einzigen beiden, die bis zum Wasser gekommen und nicht definitiv ertrunken sind, hat man einfach für tot erklärt (weil nicht sein kann, was nicht sein darf...). Diese Leute haben übrigens mit selbstgemachten Werkzeugen an der Wand gewerkelt, um ihren Lüftungsschlitz zu verbreitern. Wie das unentdeckt bleiben konnte, ist mir vollkommen schleierhaft.


Jetzt zu den Indianern: die haben nämlich 1969 die Insel besetzt, um auf Verträge aufmerksam zu machen, die die Regierung gebrochen hatte oder so. Hierbei fällt sofort auf, dass da tatsächlich überall "Indians" steht und gesagt wird. Nicht "native Americans", nicht "First Nations", nein, "Indians". Wir und unsere Kanadier waren schockiert.

Jedenfalls wundert man sich, warum sie ausgerechnet diesen gottverlassenen hässlichen Fleck Erde haben wollten. Der Grund: Alcatraz war als Gefängnis ausrangiert und "Surplus Property" oder so der Regierung. Und es gab einen abstrusen Vertrag, dass die Indiander solches Überschussland haben dürften.

Ich persönlich wundere mich da, ob sie nicht ein ein bisschen attraktiveres Fleckchen hätten finden können. Aber jedem das Seine. Jedenfalls hat diese Besetzung wohl total das Land umgekrempelt und die "Indians" "empowered" und so.

Geschrieben von Conrad um 27.02.04 09:55 | TrackBack
Comments

Auch hier fällt mir die Diskrepanz zwischen amerikanischem und kontinental-europäischen Verständnis von Menschenrechten auf... Irgendwie läuft da was schief...

Posted by: Ben at 29.02.04 01:41