Ein weiterer Vortrag, diesmal extrem hervorragend:
Rosalind Picard (MIT), "Toward Machines with Emotional Intelligence"
Es gibt ein Buch, das ich mal lesen muss: The Media Equation : How People Treat Computers, Television, and New Media like Real People and Places. Das sagt im Endeffekt, dass Menschen Computer wie Menschen behandeln, obwohl sie eigentlich wissen, dass das keinen Sinn macht
(zum Beispiel sollte man wohl elektronische Formulare über ein Programm auf einem anderen Computer ausfüllen lassen als auf dem, auf dem ein Benutzer das Programm getestet hat: dann ist der Benutzer weniger gehemmt, den armen Computer schlecht zu bewerten...!)
Picard und ihre Leute untersuchen Wege, den emotionalen Zustand von Menschen zu erfassen (auf sehr verschiedene Arten, z.B. Hautwiderstand oder Druck auf Sensoren im Stuhl etc.). Das ist wohl nötig, um Interfaces zu bauen, die sich "richtig" verhalten und einem nicht auf die Nerven fallen... Sie sagt, dass seine emotionale Unfähigkeit genauso ein Grund für den Misserfolg des Office-Assistenten war wie seine fachlichen Schwierigkeiten.
Sie haben ein System gebaut, das eine Art Lauf-Tagebuch darstellt, und einen Monat lang mit Benutzern getestet. Am Ende gab es bessere Ergebnisse mit der Version, die (ohne jede KI!) "Emotionen" simuliert (mit relativ einfachen Mitteln).
Der erschreckende Part kommt aber bei den Statements über die virtuelle "Person", die das Programm nutzt, um mit dem Benutzer zu interagieren... Viele haben Sachen bejaht wie "We respect each other" und "She really cares about me". Ziemlich gruselig, oder? Auch Prof. Picard war darüber beunruhigt - aber das ist vielleicht ein Nebeneffekt, wenn man anfängt, auf Emotionen zu reagieren... Die Leute brauchen definitiv Ausbildung, um mit dieser Art von Programmen umzugehen.
Als jemand gefragt hat, ob sie die Gefahr sehe, dass solche Technologien von Firmen zu Werbezwecken etc. ausgenutzt werden, um potentielle Kunden zu manipulieren, hat sie etwas wirklich interessantes gesagt:
Als sie mit Leuten von Microsoft über einige ihrer Ergebnisse geredet hat, waren die gar nicht überrascht. Die hatten Studien gemacht, dass Kunden, die Probleme mit ihrer Software hatten, dann aber guten Kundenservice bekommen haben, loyaler sind als Kunden, die nie Probleme hatten. Die Implikation ist natürlich, dass Bugs durchaus willkommen sein könnten...
Und, um das nicht zu verschweigen: sie ist eine sehr gute Rednerin. Unaufgeregt, klar, verständlich, witzig, fachlich top (okay, Professorin am MIT...). Ein sehr angenehmer, interessanter und unterhaltsamer talk.